1. FC Union Berlin

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1. FC "Eisern" Union Berlin
Datei:Eisern Union.gif
Voller Name 1. Fußballclub Union Berlin e. V.
Ort Berlin
Gegründet 20. Januar 1966
Vereinsfarben Rot-Weiß
Stadion Stadion An der Alten Försterei
Plätze 18.992
Präsident Dirk Zingler
Trainer Uwe Neuhaus
Homepage www.fc-union-berlin.de
Liga 2. Bundesliga
2008/2009 1. Platz (3. Liga)
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Auswärts


Der 1. FC Union Berlin (offiziell: 1.Fußballclub Union Berlin e.V.) ist ein Fußballverein aus dem Berliner Ortsteil Köpenick. Er wurde 1966 gegründet, basiert jedoch auf dem bereits 1906 entstanden FC Olympia Oberschöneweide. Er ist heute neben Hertha BSC einer der bekanntesten Fußballvereine der Hauptstadt und gilt für viele seiner Anhänger aufgrund seiner Stellung im DDR-Fußball als Kultverein. Der Club ist, gemessen an seiner heutigen Mitgliederzahl, der größte Sportverein auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.[1] Der Schlachtruf der Fans lautet ebenso wie der Titel der von Nina Hagen gesungenen Vereinshymne Eisern Union. Die Heimspiele werden im größten reinen Fußballstadion Berlins, dem Stadion An der Alten Försterei, ausgetragen. In der Saison 2008/2009 spielte die Männermannschaft in der 3. Liga und schaffte dort den Aufstieg in die 2. Bundesliga.


Vereinsgeschichte

1906 bis 1966: Die Vorgängervereine des 1. FC Union

1906–1920: Gründungsjahre und Umzug in die Wuhlheide

Der erste Vorgängerverein des heutigen 1.FC Union Berlin wurde am 17.Juni 1906 als FC Olympia Oberschöneweide durch einen Zusammenschluss mehrerer ortsansässiger Vereine im Berliner Vorort Obrschöneweide gegründet. Aufgrund von sportlichen Misserfolgen entschieden sich die Oberschöneweider zu einem Wechsel und banden sich an den Deutschen Meister von 1905 – den BTuFC Union 1892. Im Februar 1909 löste sich die Mannschaft vom Mutterverein, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Aus freundschaftlicher Verbundenheit und aus Dank übernahmen die Spieler den Namen des BTuFC.

Fast zehn Jahre spielten und trainierten die Unioner auf einem Sportplatz in der Oberschöneweider Wattstraße, bis sie 1920 in die Sportanlage Sadowa, das heutige Stadion An der Alten Försterei – in der Wuhlheide umzogen, wo sie auch heute noch beheimatet sind.

1920–1933: Zwischen Vize-Meisterschaft und Mittelmaß

Im Jahr 1920 wurde Union zum ersten Mal Berliner Meister und durfte an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft teilnehmen, wo sie jedoch im Viertelfinale scheiterten. Besser machte es der Verein drei Jahre später, als man das Endspiel um die Meisterschaft 1923 erreichte, bei dem sich die Spieler aber dem Hamburger SV mit 0:3 geschlagen geben mussten.

Danach konnte „Union-Ob.“ – wie der Verein von seinen Anhängern genannt wurde – zwar noch 1925 die Vizemeisterschaft in Berlin und die Teilnahme am Endspiel um den Berliner Pokal 1926 als weitere Erfolge erringen, schaffte es allerdings nicht, sich in der Spitzengruppe zu halten. Spieler wanderten ab und Union rutschte ins Mittelmaß.


Geburtsstunde des Schlachtrufes "Eisern Union"

Aus dieser Zeit resultiert auch der noch heute bekannte Schlachtruf der Union-Fans „Eisern Union“. Erstmals soll diese Anfeuerung in einem Spiel gegen Hertha BSC erklungen sein, als ein hart erkämpftes Unentschieden gegen den überlegenen Gegner noch zu Gunsten der Hertha zu kippen drohte. Der Ursprung dieses Ausrufs geht auch auf die Bezeichnung „Schlosserjungs“ zurück, denn so wurden die Spieler aufgrund ihrer blauen Spielkleidung und ihrer überwiegenden Herkunft genannt.

1945–1950: Nachkriegszeit und Trennung

Umbenennung von Union in SG Oberschönweida. Ab der Saison 1946/1947 sorgte die Mannschaft wieder für positive Schlagzeilen und konnte einerseits den Aufstieg in die Stadtliga feiern sowie andererseits überraschend den Berliner Pokal gewinnen. 1948 konnte die Berliner Meisterschaft errungen sowie der Berliner Pokal verteidigt werden.

In der anschließenden Endrunde um die Deutsche Meisterschaft war aber der FC St. Pauli im Viertelfinale zu stark: Vor 70.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion unterlag man 0:7.

1948 durften Die Berliner Vereine wieder ihre alten Vereinsbezeichnungen annehmen, wobei bei Union der Einfluss der sowjetischen Besatzungsmacht erkennbar wurde, die keine „bürgerlichen“ Vereine zuließ. Daher hieß der Verein nun statt SC Union Oberschöneweide „politisch korrekt“ SG Union Oberschöneweide.

Kurz darauf begann aber die bis dahin schwerste Krise des Klubs: Der Deutsche Sportausschuss als Sportdachverband der sowjetischen Besatzungszone akzeptierte die vom 1949 neugegründeten West-Berliner Fußballverband geplante Einführung des Vertragsspielerstatuts für die Stadtliga nicht und zog daraufhin die Ost-Berliner zur Folgesaison aus der Stadtliga ab. Die Oberschöneweider spielten daraufhin aus Protest die restlichen Saisonheimspiele im Moabiter Poststadion. Als Tabellenzweiter qualifizierte sie sich 1950 trotzdem für die Endrunde der deutschen Meisterschaft, bekam jedoch von der politischen Führung keine Erlaubnis (und keine Papiere), um nach Kiel zum Spiel gegen den Hamburger SV zu reisen. Daraufhin siedelte fast das komplette Team nach West-Berlin über und trat danach auch gegen den HSV an. Etwa zwei Wochen später gründeten die Spieler den SC Union 06 Berlin im Westteil Berlins neu.

1950–1965: Absturz und Namenswechsel

Die in der DDR verbliebenen Mitglieder waren durch den Verlust der nahezu kompletten ersten Mannschaft stark geschwächt. 1951 konnte nur knapp Abstieg aus der DDR-Oberliga verhindert werden, wobei Union den Klassenerhalt nicht der eigenen sportlichen Stärke sondern vielmehr der Entscheidung des Deutschen Fußball-Verbands (DFV) verdankte, dass in der Oberliga mindestens zwei Ost-Berliner Mannschaften verbleiben mussten.

Diese Entscheidung beinhaltete jedoch den Umstand, dass der Verein in die Betriebssportgemeinschaft (BSG) des Volkseigener Betrieb Transformatorenwerk Karl Liebknecht (kurz TRO) eingegliedert wurde und nun BSG Motor Oberschöneweide hieß. Auch die traditionellen Farben wurden geändert und aus dem Blau-Weiß des Vorgängers (und des „Brudervereins“ im Westen) wurde das heute charakteristische Rot-Weiß.

Die sportliche Situation Unions besserte sich aber auch als Motor Oberschöneweide nicht und in der Saison 1952/1953 stieg der Verein in die zweitklassige DDR-Liga ab. In dieser Zeit unterlag "Union" den Beschlüssen der SED mit anderen Berliner Sportvereinen zu fusionieren oder eben auch als 'ziviles' Gegenstück gegenüber der DDR-Sportvereinigungen der Volkspolizei (Sportvereinigung Dynamo) und der Nationalen Volksarmee.

Zum Leidwesen der Ost-Berliner Union führten derartige Umwandlungen zu einem Identitätsverlust bei den Fans, so dass bis zum Bau der Berliner Mauer noch viele Anhänger zur West-Berliner Union ins Poststadion pilgerten und dem Verein in Köpenick weniger Beachtung schenkten. Die fehlende Fan-Unterstützung, den personellen Verlust aus der Flucht und die Delegierung hoffnungsvoller Talente zu den damaligen Ost-Berliner Spitzenmannschaften (wie SC Dynamo Berlin) konnte die Mannschaft lange Zeit nicht kompensieren und spielte bis 1962 in der dritten Liga.

Erst danach besserten sich mit dem Aufstieg zurück in die DDR-Liga für das Team die Zeiten. In den folgenden Jahren wurde allerdings der Aufstieg in die Oberliga verpasst. Erst mit dem Engagement von Werner Schwenzfeier sollte die Mannschaft wenig später wieder große Erfolge feiern.


1966 bis heute: Der 1. FC Union Berlin

1966–1971: Neugründung und Pokalsieg

In der Saison 1965/66 gelang dan wieder der Aufstieg in die Oberliga. Mit sechs Punkten Vorsprung wurden die Köpenicker überraschend klar Erster in der Liga. Unter der Prämisse den Werktätigen einen zivilen Fußballclub einzurichten wurde am 20. Januar 1966 der 1. FC Union Berlin neu gegründet.

Union startete mit guten Leistungen in die erste Oberligasaison und wurde am Ende überraschend Sechster. Zudem konnten die Zuschauer in der Saisonvorbereitung 1967 auch internationale Gastmannschaften in Ost-Berlin erleben, denn der 1. FC Union trat im UEFA Intertoto Cup an.

Ein Jahr später gelang den Unionern mit dem Gewinn des FDGB-Pokals (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) der größte Erfolg ihrer DDR-Geschichte.

Wegen der Ereignisse des Prager Frühlings wurden die Unioner in der darauf folgenden Saison aber um ihre Qualifikation für den Europapokal der Pokalsieger gebracht, da der DFV als Protest gegen die Neuauslosung aller Europapokalpartien mit Trennung von Ostblock- und Westblock-Staaten seine Mannschaften zurückzog.


1971–1976: Abstieg und Relegationskomplex

Ab dem Jahr 1971 gab es in Ost-Berlin mit dem 1. FC Union Berlin und dem BFC Dynamo nur noch zwei große Fußballvereine. Ab 1973 trat der 1. FC Union in der neu strukturierten DDR-Liga an, welche nun nicht mehr über zwei sondern fünf Staffeln verfügte. Erst 1976 schaffte der Verein wieder den Aufstieg.

1976–1980: Die großen Jahre

Das Jahr 1976 brachte für Union nicht nur den Aufstieg, sondern auch mit Heinz Werner einen neuen Trainer in die Wuhlheide. Zu Beginn der Saison 1976/1977 konnte das Team gleich auf Anhieb vor 45.000 Zuschauern im Stadion der Weltjugend den BFC Dynamo mit 1:0 schlagen. Auch das Rückspiel gegen den BFC gewann Union mit 1:0.


Am Ende der Saison konnte Union die Klasse halten, aber vor allem die beiden Siege gegen den bei vielen Fußballanhängern in der DDR als „Stasiverein“ verhassten BFC Dynamo bescherten Union ein Image als Kultverein und Publikumsmagneten in den 1970ern. Hinter Dynamo Dresden hatte Union den zweithöchsten Zuschauerschnitt vorzuweisen.


Die Underdogs im Visier der Stasi

Sportlich kämpfte der Verein zwar jedes Jahr gegen den Abstieg (welcher 1978 und 1979 erneut verhindert wurde), aber durch das Image des „Underdogs“ und die Missbilligung durch die DDR-Führung war der Verein ein Sammelbecken für viele, die ihrem Unmut gegen das System Luft machen wollten. Daher stand der Verein auch unter besonderer Beobachtung der Funktionäre.

Doch trotz der vielen Zuschauer stieg man am Ende der Saison 1979/1980 in die DDR-Liga ab.


1980–1989: Fahrstuhlmannschaft

Nach dem insgesamt vierten Abstieg aus der Oberliga starteten die Köpenicker 1980 wieder in der Liga und scheiterten zum dritten Mal in der Relegation, sodass erst 1981/1982 der Wiederaufstieg feststand.

1984 ging es aber wieder runter in die Zweitklassigkeit.

In der Folgesaison gelang der sofortige Wiederaufstieg und in der Saison 1985/1986 wurde Union wieder als Favoritenschreck bekannt.

Die größte Überraschung gelang aber im FDGB-Pokal, wo Union unerwartet das Finale erreichte und auf dem Weg dorthin Gegner wie den 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden besiegen konnte. Im Finale allerdings unterlag man dann Lokomotive Leipzig mit einem klaren 1:5.

Ein weiteres Highlight für die Fans war der Intertoto-Cup in der Sommerpause 1986, in dem sich die Unioner auch mit westeuropäischen Gegnern messen konnten. Nach Spielen gegen Bayer Uerdingen, Lausanne Sport und Standard Lüttich gewann das Team aus Berlin seine Intertoto-Gruppe.


In der nächsten Saison kämpfte der Verein wieder gegen den Abstieg und erreichte am Ende der Spielzeit nur Rang elf.

In der Saison 1988/1989 stieg die Mannschaft zum sechsten und letzten Mal aus der DDR-Oberliga ab, doch kurz darauf wurde der Fußball durch den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 nur noch zur Nebensache in der DDR.


1989–1994: Unaufsteigbar und ohne Lizenz

Nach der Wiedervereinigung billigte der DFB den den ehemaligen DDR-Vereinen in seinen beiden Profiligen nur acht Plätze – zwei in der Bundesliga und sechs in der Zweiten Liga – zu, was vor allem an dem mangelnden Vertrauen in die Wirtschaftlichkeit der Ost-Klubs lag, da diese Probleme bei der Anpassung an den Profifußball hatten.

1992 wurde der Aufstieg wieder in der Relegation verpasst, weshalb der Verein immer mehr als „unaufsteigbar“ galt.

Zu Beginn der Folgesaison nahm Frank Pagelsdorf auf der Unioner Trainerbank Platz und mit ihm schien für viele Fans der Traum von der Zweiten Liga wahr zu werden. Doch der Traum zerplatzte. Denn, wie sich erst später heraus stellte wurde entsprechende Bankbürgschaft gefälscht, um so die Lizenzauflagen des DFB zu erfüllen, woraufhin der DFB die Lizenz für die Zweite Liga verweigerte. Bis heute ist nicht geklärt, wer im Verein die Bürgschaft gefälscht hatte.

Auch in der Saison 1993/1994 wurde Union Berlin zu Saisonende die Lizenz für die Zweite Liga durch den DFB aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit verweigert, da der Schuldenberg fast 2,56 Millionen Euro betrug. Gute Spieler mussten verkauft werden wie Martin Pieckenhagen an Tennis Borussia, Marko Rehmer und Sergej Barbarez an Hansa Rostock, um sich finanziell nicht vollständig zu ruinieren. Trainer Pagelsdorf verabschiedete sich ebenfalls in Richtung Rostock – und stieg dort nur wenig später mit vielen Ex-Unionern in die Bundesliga auf.


1994–1998: Fastbankrott

Die nächsten Jahre waren für die Unioner ein wirtschaftlicher Überlebenskampf. Sportlich war das Team zwar im oberen Tabellendrittel der Regionalliga Nordost (die neue dritte Liga) festgesetzt, doch nebenher stiegen die Schulden auch aufgrund der „Altlasten“ durch teure Spielerverträge immer weiter. 1994/1995 wurde dem Verein zum dritten Mal in Folge die Lizenz für die Profiligen verweigert und trotzdem handelten das Präsidium sowie das Management des Vereins weiterhin hoch dotierte Verträge mit Spielern und Trainern aus. Bezeichnend für die Leistung des Managements war die Saison 1995/1996, in welcher Union dreimal den Trainer wechselte. Trainer Hans Meyer wurde wegen Streitigkeiten mit der Führungsebene entlassen, als die Mannschaft nach acht Siegen und zwei Unentschieden auf Tabellenplatz zwei stand.


Im Februar 1997 schien der Verein endgültig zu Grunde gewirtschaftet zu sein. Die Fans des FCU organisierten sich und marschierten bei einer großen Rettet-Union-Demonstration (etwa 3.000 Fans waren anwesend) durch das Brandenburger Tor – erfolgreich, denn der Sportartikelhersteller Nike schloss einen Sponsorenvertrag über fünf Jahre mit Union ab und so wurde die Pleite vorerst noch abgewendet.

Der Abwärtstrend ging zunächst weiter und Spieler sowie Trainer verließen Union, weil sie entweder nicht pünktlich das Gehalt bekamen oder keine sportliche Zukunft mehr sahen.

Das Präsidium war zerstritten aufgrund der finanziellen Lage (rund 2,56 Millionen Euro Schulden, davon rund 256.000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten). Nur die Mannschaft spielte in der Regionalliga oben mit und die Fans versuchten weiterhin, ihren Verein zu retten, indem sie in der Öffentlichkeit sammeln gingen (mit der Aktion „Fünf Mark für Union“) oder das Spiel gegen TeBe im Mommsenstadion boykottierten, um die Kartenpreise dem Verein zu spenden. Erst im Januar 1998 nahte durch das wirtschaftliche Engagement von Michael Kölmel und seiner Firma Kinowelt die finanzielle Rettung.





1998–2004: Europapokal und Profifußball

Der FCU startete in die Saison 1998/1999 erstmals seit Jahren ohne große Existenzsorgen, landete am Ende aber nur auf Platz sechs. In der Saison 1999/2000 ging es mit dem neuen Trainer Georgi Wassilew besser, denn der „General“ führte die Mannschaft zur Meisterschaft in der Regionalliga und damit in die Relegation um den Zweitligaaufstieg gegen den Meister der Regionalliga Nord. Aber der Klub scheiterte erneut, diesmal gegen den VfL Osnabrück im Elfmeterschießen.

Trotz dieses erneuten Rückschlags sollte die folgende Saison 2000/2001 eine der erfolgreichsten der Vereinsgeschichte werden. In der neugegliederten Regionalliga Nord erreichte man souverän den ersten Rang und stieg zum ersten mal in die zweite Bundesliga auf. Parallel dazu sorgte das Team im DFB-Pokal für Schlagzeilen, als nach einem 6:4-Sieg nach Elfmeterschießen im Halbfinale über Borussia Mönchengladbach das DFB Pokalfinale 2001 erreicht wurde. Erst dort unterlag man dem Bundesliga-Zweiten FC Schalke 04 mit 0:2.

Da der FC Schalke 04 aber als Vize-Meister für die Champions League startberechtigt war, durfte Union dennoch in der Folgesaison erstmals im Europapokal spielen und qualifizierte sich als erster und bisher einziger deutscher Drittligist für den UEFA-Pokal. Dort erreichten die Spieler in der Saison 2001/2002 durch ein 1:1 und einen 3:0-Sieg gegen den finnischen Vertreter Haka Valkeakoski die zweite Runde, wo die Mannschaft gegen die bulgarische Mannschaft Litex Lowetsch ausschied.

Der Verein spielte insgesamt drei Jahre in der Zweiten Bundesliga, bis die Saison einen für viele Fans unrühmlichen Höhepunkt nahm, als am 7. Oktober 2002 das Team mit 0:7 beim FC Köln verlor, weshalb Wassilev eine Woche später seinen Hut als Trainer nehmen musste. Sein Nachfolger wurde Mirko Votava, doch auch er wurde in der Saison 2003/2004 durch einen neuen Übungsleiter ersetzt, weil Union an das Tabellenende abgerutscht war, um später dann als Tabellenzehnter in die Regionalliga Nord absteigen musste.


2004 bis 2008: Einmal Oberliga und zurück

Auf eine der erfolgreichsten Epochen in der Geschichte von Union Berlin folgte im Jahr 2005 der wohl tiefste Fall, als der Zweitligaabsteiger gleich noch eine Liga nach unten durchgereicht wurde und in der Oberliga landete. Vier verschiedene Trainer konnten den Absturz nicht aufhalten.

Auch die Finanzen bereiteten dem Verein wieder Sorgen, da die für die Lizenz der Saison vom DFB geforderten Liquiditätsreserven in Höhe von 1,46 Millionen Euro erneut nur durch Spenden zusammen gebracht werden konnten (u. a. durch den Spendenaufruf „Bluten für Union“). Den Klub drückten neben den kurzfristigen Verbindlichkeiten von rund 720.000 Euro auch die langfristigen Schulden beim ehemaligen Retter Michael Kölmel, bei dem der Verein mit rund 15 Millionen Euro in der Schuld stand.

Jedoch konnte sich der Verein in der Folgesaison wieder regenerieren, sicherte sich bereits vier Spieltage vor Saisonende den Aufstieg aus der Oberliga Nordost Nord und verzeichnete außerdem mit knapp 6.000 Zuschauern pro Heimspiel einen für die vierte Liga sehr hohen Zuschauerschnitt.

Hieß es im Hinspiel an der Alten Försterei vor 14.020 Zuschauern noch 8:0 für Union, was ein Rekordergebnis gegen Dynamo bedeutete, so wurde das vom Großteil der Union-Fans boykottierte Rückspiel im Sportforum vor fast 6.500 Zuschauern beim Stand von 1:1 abgebrochen, nachdem Anhänger des BFC Dynamo die Absperrungen zum Stadioninnenbereich überwunden und versucht hatten, sich Zugang zum Gästeblock, in dem die Union-Fans untergebracht waren, zu verschaffen. Im Nachhinein wurde das Spiel mit 2:0 für den 1. FC Union gewertet.

In der Saison 2007/2008 gelang der Mannschaft mit Trainer Uwe Neuhaus die Qualifikation für die neue 3. Profiliga.

Saison 2008/2009

Die Mannschaft wies zum Abschluss der Hinrunde die beste Heimbilanz (sieben Siege, drei Unentschieden, keine Niederlage) aus und belegte mit 39 Punkten sowie 33:15 Toren den zweiten Tabellenrang hinter dem SC Paderborn 07. Auch in der Rückrunde blieb das Team erfolgreich und eroberte am 21. Spieltag die Tabellenspitze, welche die Mannschaft auch bis zum Schluss verteidigen konnte. Bereits drei Spieltage vor Saisonschluss sicherte sich die Mannschaft durch einen Sieg über Jahn Regensburg vorzeitig die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die zweite Bundesliga.


Titel und Erfolge

  • Deutscher Vizemeister: 1923
  • FDGB-Pokalsieger: 1968
  • FDGB-Pokalfinalist: 1986
  • DFB-Pokalfinalist: 2001
  • Berliner Meister: 1920, 1923, 1940 und Berliner Meisterschaft 1948
  • Berliner Fußballmeister: 1966, 1969 und 1975 (jew. mit der zweiten Mannschaft)
  • Berliner Pokalsieger: 1947, 1948, 1994, 2007 und 2009
  • Berliner Landespokal: 1970, 1974 und 1985 (jew. mit der zweiten Mannschaft)
  • Gewinner der Intertoto-Cup-Gruppe: 1986
  • Teilnahme am UEFA-Pokal: 2001/02 (Erreichen der 2. Hauptrunde)


Verhältnis zu anderen Fußballvereinen

BFC Dynamo

Der größte Rivale des 1. FC Union ist historisch gesehen der BFC Dynamo. Beide Vereine verbindet eine langjährige tief verwurzelte gegenseitige Abneigung, die bei den Anhängern häufig auch in Hass umschlägt. Die Spiele der beiden Vereine gegeneinander galten in der Vergangenheit als besonders risikoreich und wurden nicht selten von gewalttätigen Auseinandersetzungen begleitet. Daran hat sich bis heute nicht viel verändert, auch wenn die beiden Vereine aufgrund der sportlichen Gegebenheiten nur noch selten aufeinander treffen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Auf der einen Seite resultiert die Rivalität aus der geografischen Nähe und dem damit verbundenen Derbycharakter von Spielen gegeneinander. Auf der anderen Seite kommen jedoch noch besondere geschichtliche und sportpolitische Aspekte hinzu.

Der BFC wurde als Sportverein für Polizei, Zoll und Staatssicherheit gegründet und erhielt dadurch in der DDR Unterstützung durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), der Stasi, weswegen der Verein bis heute noch von gegnerischen Fans als „Stasiklub“ angesehen wird. Union dagegen wurde vom FDGB sowie dem Trägerbetrieb des Vereins – dem KWO – unterstützt, jedoch nicht in einem so umfangreichen finanziellen und materiellen Rahmen wie der BFC durch das MfS. Auf sportlicher Ebene arbeiteten beide Vereine insofern zusammen, als dass Spieler vom 1. FC Union zum BFC Dynamo und umgekehrt delegiert wurden. Dies geschah jedoch mit dem Ziel, eine Leistungskonzentration beim BFC herbeizuführen. So wechselten viele hoffnungsvolle Talente vom FCU zum BFC und im Gegenzug erhielt Union meist Spieler, die ihren Leistungszenit bereits überschritten hatten (wobei es auch Ausnahmen gab, wie z. B. Olaf Seier, der an der Alten Försterei für die Fans zum Idol wurde, oder Ralf Sträßer).


Darüber hinaus war Union von einigen für viele Vereins-Mitglieder fragwürdigen Entscheidungen betroffen. So durften die Köpenicker ab der Saison 1976/77 ihre Heimspiele gegen den BFC nicht mehr an der Alten Försterei austragen, sondern mussten ins Stadion der Weltjugend umziehen. Dies wurde zunächst mit dem großen Zuschauerinteresse begründet, jedoch blieb der Beschluss auch in den 80ern bestehen, als die Derbys schon weitaus weniger Publikum anzogen. Dazu kamen noch umstrittene Schiedsrichterentscheidungen (z. B. durch den Schiedsrichter Adolf Prokop) zugunsten des BFC, die den Eindruck von Betrug erweckten.[2] Daher wurde der BFC sowohl damals wie auch heute oft als „Schiebermeister“ bezeichnet. Genau diese „Unterdrückung“ war es jedoch, die für viele den besonderen Reiz ausmachte, sich zu Union zu bekennen. Sie wirkte damit identifikationsstiftend.

Hertha BSC

Zu DDR-Zeiten gab es zwischen Union und Hertha BSC eine Art Fanfreundschaft. So kamen viele Herthaner nach Ost-Berlin, um Union-Heimspiele zu besuchen und im Gegenzug fuhren die Unioner 1979 mit den Herthanern zu deren Europapokal-Auswärtsspiel nach Prag. In der Nachwendezeit erlebte die Freundschaft ihren Höhepunkt mit dem Freundschaftsspiel im Berliner Olympiastadion vor über 50.000 Zuschauern, doch ebbte die gegenseitige Zuneigung danach langsam ab und inzwischen sind die beiden Vereine mehr sportliche Konkurrenten (wenn auch nicht in der gleichen Liga).


SC Union 06 Berlin

Der „Bruderverein“ aus West-Berlin und Nachfolger von Union Oberschöneweide, SC Union 06 Berlin, wurde in der Zeit vor dem Bau der Berliner Mauer sehr zahlreich von den Ost-Berlinern unterstützt. Nach der Wende gab es Überlegungen bei beiden Vereinen, sich wieder zu vereinen.


Fanszene

Allgemein

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Im Gebäude der ehemaligen Geschäftsstelle des Vereins in der Köpenicker Hämmerlingstraße befinden sich heute u. a. der Fanshop und die Fankneipe Abseitsfalle.
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Fanboot des 1. FC Union auf der Spree

Die Anhängerschaft Unions war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts größtenteils von Arbeitern geprägt, was vor allem daran lag, dass Oberschöneweide sich ab 1889 zu einem industriellen Ballungsgebiet entwickelte (z. B. durch die Ansiedlung des Unternehmens AEG).

Ihren Ruf erwarb sich die Fangemeinde in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR, als die Union-Fans besonders zahlreich auftraten und als reisefreudig (in der Regel begleitete eine große Anhängerschaft den FCU bei Auswärtsfahrten), lautstark und vor allem unangepasst galten. Nach der Ansicht vieler war Union als Rivale und Gegenstück zum staatlich aufgebauten und subventionierten BFC Dynamo ein Sammelbecken für alle, die dem DDR-Alltag kritisch gegenüberstanden. So befanden sich neben den Arbeitern auch Hippies, Punks oder (in den 1980er Jahren ins rechtsradikale Milieu abdriftende) Skinheads im Stadion.

Wie wichtig Fans für einen Fußballverein sein können, zeigte sich für den 1. FC Union Ende der 1990er Jahre: Als der Verein finanziell vor dem Aus zu stehen schien, waren es die Fans, die durch verschiedene Aktionen potentielle Geldgeber auf die Situation des Vereins aufmerksam machten und auch selbst durch Spenden ihren Anteil leisteten. Es wurde beispielsweise eine Demonstration unter dem Motto „Rettet Union!“ durch das Brandenburger Tor organisiert, an der sich rund 3.000 Anhänger beteiligten. Das Engagement der Fans ging sogar soweit, dass der langjährige Fan Andreas Freese in den Aufsichtsrat des Vereins gewählt wurde – ein Novum bis dahin. Es waren Anhänger wie er, die in den folgenden Jahren ihren Teil dazu beitrugen, dass der Verein finanziell überleben konnte. Wie hoch das Ansehen Freeses im Verein und bei den Fans war, zeigte sich nicht zuletzt durch die große Anteilnahme, als er im Januar 2007 überraschend und tragisch verstarb.[3]


Bluten für Union

Im Vorfeld der Saison 2004/05 erwiesen sich die Fans für den Verein als eine wichtige Stütze. Für die Spielgenehmigung in der Regionalliga benötigte Union eine Liquiditätsreserve von 1,46 Millionen Euro, welche der Verein allein nicht aufbringen konnte. Daraufhin gründeten die Fans die Initiative Bluten für Union mit dem Ziel, den Verein bei der Beschaffung des Geldes zu unterstützen. Das Wort Bluten war in diesem Zusammenhang wörtlich zu nehmen, denn die Fans wurden dazu aufgerufen, Blut zu spenden und das erhaltene Geld dem Verein zukommen zu lassen.

Neben dieser fanden noch weitere Aktionen statt, um Geld zu sammeln, darunter T-Shirt-Verkäufe, Rock-Konzerte oder ein Benefiz-Spiel gegen die „Blutsbrüder“ vom FC St. Pauli. Außer den Fans beteiligten sich Firmen und andere Fußballvereine (bzw. deren Fangruppen) durch Spenden an der Rettung des Vereins. Daneben unterstützten zahlreiche Prominente wie der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit oder der ehemalige Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi die Kampagne.

Zum Ablauf der vom DFB gestellten Frist erwies sich die Aktion als Erfolg, denn der Verein erhielt die Spielgenehmigung.


Gewaltbereite Fans und Rassismus

Analog zu vielen anderen Fangruppen in den späten 1970er und 1980er Jahren (sowohl in der DDR als auch europaweit) waren die Union-Anhänger häufig in gewalttätige Auseinandersetzungen mit anderen Fans verwickelt. Besonders bei den Derbys gegen den BFC waren Schlägereien eher die Normalität als die Ausnahme. Jedoch hat sich die Gewaltbereitschaft des Union-Anhangs seit der Wende zurückentwickelt.

In den 1980er Jahren wurde der Verein auch von Rechtsextremen als Plattform genutzt und es waren häufiger rassistische Äußerungen aus der Fanszene zu vernehmen. Zurückzuführen war dies vor allem auf den erhofften Effekt der Provokation gegen die Staatsmacht.

Am 23. Februar 2007 nahm der 1. FC Union einen sogenannten Antidiskriminierungspassus in die Hausordnung auf, in dem das grundsätzliche Recht aller auf Nichtdiskriminierung bekräftigt und es zudem verboten wurde, „rassistische, fremdenfeindliche oder radikale Propagandamaterialen und Parolen zu verbreiten, insbesondere durch rechtsradikale Materialen, rechtsradikale Parolen oder durch Gesten eine rechtsradikale Haltung kundzugeben“.[4] Der Verein verfügt damit über eine rechtliche Grundlage bei Zuwiderhandlung.


Link

Fan-Guide (Union Berlin)



Weblinks


Einzelnachweise

  1. Matthias Wolf: Wer guckt, sieht mehr Artikel in der Berliner Zeitung vom 12. Mai 2009
  2. Michael Jahn: „Zum letzten Mal: Union contra BFC“, Artikel in der Berliner Zeitung vom 22. April 2000.
  3. Thomas Loy: „Andreas Freese; Plakate kleben, Geld zahlen, bluten für Union: Einer muss es ja machen.“ Artikel im Der Tagesspiegel vom 2. März 2007.
  4. „1. FC Union Berlin erweitert Hausordnung um Antidiskriminierungspassus“, offizielle Pressemeldung des Vereins auf www.fc-union-berlin.de vom 23. Februar 2007.


WIKIPEDIA Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einem Text, der aus der freien Enzyklopädie Wikipedia übernommen wurde. Eine Liste der ursprünglichen Autoren befindet sich auf der Versionsseite des FC Union Berlin entsprechenden Artikels.